Alumna des Monats: Juni 2022


Kablitz-Post - 2

Frau Cordula Kablitz-Post

Mein Abitur habe ich 1983 an der Eichendorffschule gemacht. Eine herausragende Rolle und Ratgeberin für meinen weiteren Lebensweg und meine berufliche Laufbahn als Regisseurin, Drehbuchautorin und Film- und Fernsehproduzentin hat die unglaublich engagierte Lehrerin Brigitte Hofmeister-Zey gespielt. Sie war Deutschlehrerin, Leiterin der Theatergruppe und hat mit uns den Ur-Faust von Goethe einstudiert. Ich selbst hatte keine Ambitionen auf der Bühne zu stehen, daher übernahm ich so eine Regieassistenz bei ihr und war als Souffleuse für die Schauspieler zuständig.

Brigitte Hofmeister-Zey war eine passionierte Theaterkennerin und von ihr inspiert besuchten wir so oft wir konnten die Frankfurter Theater. Mein Wunsch war es damals, Dramaturgin am Theater zu werden. Sie riet mir Germanistik, Theaterwissenschaften und zusätzlich eine Sprache zu studieren, da kam für mich nur Anglistik in Frage, in französisch war ich zu schlecht. Denn klug wie Brigitte Hofmeister Zey war, wollte sie nicht nur zur oft brotlosen Kunst raten, sondern wollte Plan B für alle Fälle gleich mitliefern, dann hätte ich alternativ auch Lehrerin werden können.

Mein Studium begann ich an der Ludwig Maximilians-Universität in München 1983. Mit einem Praktikum an einem kleinen Münchener Off-Theater, Theater am Einlass, begann ich erste wertvolle Berufserfahrungen zu sammeln. Ansonsten empfand ich die Theaterszene in München aber als sehr konservativ und wenig inspirierend und ging mehr und mehr ins Kino. Als ich 1985 zum Hauptstudium an die Freie Universität nach Berlin wechselte, änderte ich meinen Schwerpunkt daher in Film -und Fernsehwissenschaften. In Berlin suchte ich mir einen Praktikumsplatz bei der Uwe Schrader-Filmproduktion, der gerade einen Kinofilm mit dem Titel "Sierra Leone" produzierte und lernte als Produktionsassistentin und Regieassistentin den ganzen Ablauf einer Filmproduktion kennen. Weitere Filmjobs parallel zum Studium folgten, z.B. bei Thomas Braschs "Welcome to Germany" mit Tony Curtis in der Hauptrolle. Während des Studiums begann ich außerdem eigene Kurzfilme auf 16 mm zu drehen, die ich ans Fernsehen lizensieren konnte.

Nach dem Abschluss des Studiums mit Magister an der FU Berlin bekam ich meinen ersten Fernsehjob bei RIAS-TV 1989 in Berlin bei der Jugendredaktion High Live, bei der wir so experimentell und mit allen unseren Freunden vor und hinter der Kamera arbeiten konnten, im Prinzip eine Talentschmiede und erweiterte Filmhochschule. Denn damals gab es noch kein formatiertes TV-Programm und wir hatten alle Freiheiten in der Gestaltung unserer TV-Beiträge über Kunst, Kultur und gesellschaftlich relevante Themen. Viele von uns wurden ebenso wie ich 1991 nach Hamburg zum Aufbau von Premiere abgworben. 1994 zurück in Berlin gründete ich meine erste Film- und TV-Produktion Medusa Film, mit der wir Musik-Videos, aber auch regelmäßig die ersten Beiträge des ARD-Magazins Brisant produzierten. Das Privatfernsehen wurde zu einem Boom-Faktor und verwandelte den TV-Markt. Ich arbeitete parallel bei Spiegel-TV in Hamburg. 1995 gründete ich die Firma avanti media. Die ersten großen Erfolge waren eine subversive Talkshow mit dem Regisseur Christoph Schlingensief "Talk 2000" in der Volksbühne am Rosa Luxemburg Platz. Im Jahr 2000 folgte die U-Bahnshow U3000 mit Christoph Schlingensief auf MTV. Durch diese innovativen Sendungen wurde ARTE auf uns aufmerksam und ab 2001 entwickelten wir die Grimme-Preis-gekrönte ARTE-Doku-Reihe "Durch die Nacht mit..", von der es mittlerweile 145 Folgen gibt. Darüberhinaus habe ich bei ca. 30 weiteren Künstler-Biographien "Ma Vie - Mein Leben" für ARTE und "Deutschland Deine Künstler" in der ARD Regie geführt und produziert.

Ab 2001 gründete ich die avanti media fiction GmbH, mit der ich seitdem Spiel- und Dokumentarfilme fürs Kino produziere, u.a. "Sophiiie!" von Michael Hofmann, "High Maintenance", der mit dem amerikanischen Studentenoscar in Silber ausgezeichnet wurde, mein Debüt als Regisseurin bei einem abendfüllenden Kinospielfilm "Lou Andreas-Salomé", der 2016 und 2017 weltweit sehr erfolgreich auf Festivals in den Kinos lief und viele Preise gewonnen hat und der Kino-Dokumentarfilm "Weil Du nur einmal lebst - Die Toten Hosen auf Tour", der seinen Start 2019 auf der Berlinale hatte und der erfolgreichste Dokumentarfilm des Jahres 2019 im Kino war. Zur Zeit drehe ich einen Kinofilm über die Techno-Pop Legende Scooter und ihren Frontmann H.P. Baxxter. Der Film soll 2022 in den Kinos starten.

Ich habe drei Kinder und lebe weiterhin in Berlin.