Sie haucht Klassikern Leben ein

logo_presse_hk  vom 23.05.2014

Sie wollen den SchĂĽlern schwere literarische Kost leicht verdaulich machen. Das ist der Lehrerin dank eines oft strengen Regiments auch stets gelungen.

Wer hat sie nicht schon verflucht, diese kleinen, gelben Reclam-Hefte mit Klassikern der Weltliteratur von „Antigone“ bis „Macbeth“? Das ist auch bei vielen EichendorffschĂĽlern nicht anders. Doch es gibt eine Gruppe, die hat gelernt, die schwere Kost leicht zu verdauen — die Theater-AG von Brigitte Hofmeister-Zey. „Das größte GlĂĽck fĂĽr mich war, mit jungen Leuten die Worte der klassischen Dichter lebendig werden zu lassen“, sagt die Lehrerin im Ruhestand. Und das Lob kam meist zurĂĽck, wenn die SchĂĽler schwärmten: „Das Heftchen war so langweilig, ich hätte nie gedacht, dass das im Theater so geil ist.“

Solche Sätze sind für Brigitte Hofmeister-Zey nach fast 35 Jahren Theaterleitung an der Eichendorffschule (EDS) eigentlich Anerkennung genug. Doch die ehemaligen Kollegen dachten anders und klopften bei Bundespräsident Joachim Gauck an. Ob der ein Faible fürs Theater hat, ist nicht bekannt. Sicher ist aber, dass Gauck die Urkunde zur Verdienstmedaille des Bundes unterschrieben hat. Und die heftet Landrat Michael Cyriax ihr bei einer Feierstunde in der Aula an — samt der Würdigung, sie habe die „Schulkultur geprägt“ und sei an der EDS die „Lehrerin der letzten Jahrzehnte“. Und schon ist Brigitte Hofmeister-Zey wieder mittendrin im Theater: Stolz präsentiert sie die Auszeichnung auf der Bühne, badet sichtlich gerne im lautstarken Applaus.

Verdienstmedaille Hz 2014
Der letzte Vorhang fällt im Herbst:
Brigitte Hofmeister-Zey wirkt noch an der aktuellen Theaterproduktion der EDS mit. 
(Foto: Nietner)

Der wird noch stärker, als Horst Ackermann ans Pult schreitet und ihr Lebenswerk an der Schule Revue passieren lässt. Er hat als ehemaliger Chef das Theaterengagement Jahrzehnte begleitet, sei zu den ersten beiden Stücken nicht da gewesen und nur zur Nummer drei widerwillig gegangen, gibt er offen zu. In den vielen Klassikern habe sie später eindrucksvoll gezeigt, „was zeitlos ist“. Ackermann spricht von einem „unglaublichen Ehrenamt“, wenn die Wochenenden und Ferien für die Proben drauf gingen. Die Westerwälderin sei sogar nach Frankreich gefahren, um echte Masken aus Leder zu kaufen, habe eigenes Geld in die Inszenierungen gesteckt, einen Fechtlehrer und echte Waffen für die Kampfszenen geordert. Die Kostüme habe sie gebügelt (wenn’s sein musste, auch mal im Geschichts-Unterricht), die Bühne gesaugt, für Bühnenbild und Plakate gesorgt und kurz vor den Aufführungen das Programmheft erstellt. Kein Wunder, dass Brigitte Hofmeister-Zey ein Bett an der Schule hatte.

Und ebenfalls kein Wunder, dass viele Ehemalige zu ihrer Ehrung gekommen sind, die von Angelika Odenwald herzlich moderiert und von Kammerorchester sowie Schulband musikalisch begleitet wird. So wie Student Dennis Blatt, den sie ausdrücklich als ausdauerndsten Schauspieler bei dessen sechs Inszenierungen („bis ins hohe Alter hinein“) lobt, und der den Dank gerne zurückgibt: „Das ist eine unglaubliche Schule gewesen, wie sie die Theater-AG geleitet hat.“ Zwar habe sie die Ensembles durchaus auch mit strenger Hand geführt, „aber wir haben sie alle als unsere Theaterleiterin angenommen, denn dadurch ist etwas Ordentliches herausgekommen“. Dennis kann sich an viele Pannen erinnern: „Wo soll ich da anfangen?“ So haben bei Macbeth einmal die Requisiten auf der Bühne gefehlt, jemand sei dann aufgeregt durch die Schule gerannt und habe gerufen: „Wo sind die blutigen Dolche?“ Die Geehrte selbst kann ebenfalls viel Amüsantes erzählen. So sei Musiklehrer Olaf Heim mal spontan bei einer Probe eingesprungen, die erste Bühne sei „ein Hühnerstall mit braunen Latten an den Wänden“ gewesen, und mit dem Programm wurden Benimmzettel ausgeteilt.

Im Herbst ist Schluss

Nach den Herbstferien wird Brigitte Hofmeister-Zey mit ihrer Nachfolgerin Mona Oudicho noch ein Stück auf die Bühne bringen. „Danach ist wirklich Schluss“, kündigt sie bei der Verleihung an. Sie wird es noch einmal mit vollem Herzen angehen — wie sie es schon nach der Übernahme der AG von Ursula Donat 1981 mit ihrer Premiere bei Shakespeares „Sommernachtstraum“ gemacht hat: „Wir haben uns gemeinsam gequält. Es ging manchmal rumpelig zu, aber sie mussten lernen, einen steinigen Weg zu gehen. Beifall und Lob bekommt man nicht von allein.“

(wein)