Schwarzer Peter f├╝r die Schulen

Kommentar aus der "FAZ" vom 19.02.2014


Man kann nur hoffen, dass die hessische Politik das G9-Comeback besser managt als seinerzeit die G8-Reform. Denn die Schulzeitverl├Ąngerung f├╝r bestehende Klassen ist ein Versuch mit unabsehbaren Konsequenzen.

Nicht genug damit, dass die meisten Gymnasiasten bald wieder neun Jahre zur Schule gehen - nun sollen auch diejenigen, die schon bis zu drei Jahre unter G8-Bedingungen gelernt haben, noch zu G9 wechseln d├╝rfen. Man kann nur hoffen, dass die Politik das G9-Comeback besser managt als seinerzeit die G8-Reform. Denn die Schulzeitverl├Ąngerung f├╝r bestehende Klassen ist ein Versuch mit unabsehbaren Konsequenzen.

Das gilt zun├Ąchst f├╝r die Entscheidungsfindung. Die Jahrgangsst├Ąrke in einem durchschnittlichen Gymnasien betr├Ągt etwa 120 Kinder. Es ist kaum vorstellbar, dass es unter den Eltern niemanden gibt, der f├╝r G8 ist. Bei der anonymen Befragung reicht aber eine einzige Stimme aus, um die Schulzeitverl├Ąngerung zu verhindern. Wer wei├č, wie emotional auf Elternabenden ├╝ber Fragen von geringerer Bedeutung gestritten wird, kann sich vorstellen, zu welchen Verwerfungen das in einer Schulgemeinde f├╝hren k├Ânnte.

Eventuell sehr kleine G8-Klassen
Nun gibt es noch die M├Âglichkeit, dass sich in einem Jahrgang gen├╝gend G8-Bef├╝rworter finden, um mit ihnen eine Klasse zu bilden. Es m├╝ssten um die 30 Sch├╝ler sein, nicht viel weniger, sonst reicht es nicht aus, aber auch nicht viel mehr, denn sonst sind Sch├╝ler ├╝brig. Die Schulen m├╝ssen eventuell sehr kleine G8-Klassen bilden, was zu entsprechender ├ťberbelegung der ├╝brigen Klassen f├╝hren w├╝rde. Dass die G9-Eltern das hinn├Ąhmen, ist ebenso fraglich wie das Verst├Ąndnis von G8-Eltern daf├╝r, dass ihre Kinder m├Âglicherweise in einer 40-Sch├╝ler-Klasse f├╝r das Turbo-Abi lernen sollen.

Unumg├Ąnglich ist, dass Klassenverb├Ąnde auseinandergerissen werden. Davon abgesehen, dass das p├Ądagogisch nicht gerade w├╝nschenswert erscheint, f├╝hrt es auch zu organisatorischen Schwierigkeiten. In den meisten Gymnasien k├Ânnen die Sch├╝ler die erste Fremdsprache w├Ąhlen. Was passiert nun, wenn es zwar gen├╝gend Sch├╝ler zur Bildung einer Turbo-Klasse gibt, die H├Ąlfte davon aber Englisch und die andere Franz├Âsisch lernt?

Mit solchen Fragen muss sich zun├Ąchst die Schulkonferenz besch├Ąftigen. Gut denkbar, dass Lehrer und Schulleitung, die dort die Mehrheit haben, aus den genannten Gr├╝nden einen Wechsel bestehender Klassen ablehnen und es somit gar nicht zur Elternbefragung kommt. Dann w├Ąre die ganze Aufregung umsonst gewesen. Und der Schwarze Peter l├Ąge bei der Schule. Sie m├╝sste sich rechtfertigen, dass sie G9 zwar f├╝r den richtigen Weg zum Abitur h├Ąlt, ihn aber einem Teil ihrer Sch├╝ler verbaut.