Mehr als das "normale" G9?

logo_presse_hk vom 28.03.2014

Splitting-Modell für Stufen 5 bis 7 wird an Eichendorffschule diskutiert — Leiter skeptisch — Entscheidung vor Ostern

Das Interesse der Eltern an diesem Thema ist groß. Das zeigte ein Informationsabend mit gut 200 Interessenten. Stefan Haid betont: Der „Schwarze Peter“ liege so oder so bei der Gesamtschule.

Vor wenigen Tagen hat die Eichendorffschule (EDS) vom Kreis grĂĽnes Licht fĂĽr die RĂĽckkehr zu neun Jahren Gymnasialzeit (G 9) bekommen â€” und postwendend werden schon die nächsten möglichen Veränderungen diskutiert. Die Frage ist nämlich, ob nicht nur die neuen FĂĽnftklässler in den Genuss der längeren, entspannteren Lernzeit kommen, sondern auch die derzeitigen Stufen 5 bis 7. Nach dem neuen Schulgesetz wäre das möglich. Ob die EDS diese Wahlchance in Anspruch nimmt, ist offen. Vor Ostern soll die Gesamtkonferenz darĂĽber entscheiden.

Der neue Schulleiter Stefan Haid hat sein Votum bei einem Eltern-Infoabend zum Thema „Ist das Splittingmodell sinnvoll für die Eichendorffschule?“ bereits abgegeben. Denn nur um die gemischte Version mit Schülern der Jahrgänge 5 bis 7 in G 8 und G 9 kann es in Münster gehen. Dass diese drei Stufen direkt und komplett zu G 9 wechseln — das fällt in Münster aus, da sich alle Eltern dafür aussprechen müssten, es an der EDS aber weiterhin einige G 8-Befürworter gibt.

Somit bleibt nur das Splitting-Modell übrig, bei dem Haid einige Probleme sieht. In erster Linie müssten bestehende, gut funktionierende Klassenverbände in G 8 und G 9 aufgeteilt werden. Das wiederum wäre das Ende der Bläser- und Streicherklassen — einem zentralen Bestandteil des musikalischen Profils an der Schule. „So etwas ist auch pädagogisch nicht sinnvoll, wenn sich Klassen gerade gefunden haben“, findet der Rektor. Schließlich leide der Unterricht — vor allem quantitativ. Für die nach G 9 gewechselten Klassen erhält die EDS weniger Lehrerstunden — im Jahrgang 5 sind es 2, bei den Sechstklässlern 4,7 und in Stufe 7 gar 6,4 Stunden. Das bedeutet im Umkehrschluss: Die Schüler haben weniger Unterricht. In Französisch blieben für die Jahrgänge 8 bis 10 in Französisch gerade mal sechs Wochenstunden, verteilt auf die drei Jahre. „Damit kann man niemanden gut auf die Oberstufe vorbereiten“, findet Haid. Weitere Aspekte wie den Wahlunterricht, den Umgang mit Nichtversetzungen, die Berufsorientierung oder das Angebot in der Oberstufe gelte es zu berücksichtigen.

Nicht alle der fast 200 Gäste in der proppenvollen Aula konnte er bei dem von ihm und dem Elternbeirat initiierten Infoabend überzeugen. „Es gibt einige, die das wünschen“, weiß er. Aber eben auch viele, die für eine strikte Trennung zwischen G 8 und G 9 sind. Er habe sich „geopfert“, sagt Haid, um das Thema zumindest anzusprechen und zu diskutieren. Denn früher oder später wäre es ohnehin auf den Tisch gekommen. Nicht ganz so gut zu sprechen ist der Schulleiter dabei auf das Land. „Der ,Schwarze Peter’ liegt bei der Schule“, betont er. Sie müsse die Vorgaben diskutieren und möglicherweise umsetzen. Haid weiß: „Es wird immer Leute geben, die unzufrieden sind.“

Für ihn ist aber klar: Mit dem Splitting-Modell wäre die EDS „keine Schule aus einem Guss“ mehr, es gebe „mehrere Jahre ein Hin und Her“. Er sei keinesfalls ein Gegner von G 9, habe sich früher in seiner Tätigkeit im Jugendring sehr für mehr Freizeit der Schüler stark gemacht. Auch sei das Verfahren an der EDS mit der klaren Entscheidung der Schulkonferenz für G 9 sehr gut gelaufen. Jetzt noch einen Schritt weiter zu gehen — ginge es nach Haid, würde er davon abraten. Doch das letzte Wort hat die Gesamtkonferenz, und bis dahin wird sicher noch eifrig diskutiert.

Unabhängig von dieser Entscheidung, gibt es jetzt mit der EDS und der Gesamtschule Fischbach zwei Einrichtungen in Kelkheim mit G 9. Deshalb ist Haid mit seinem Kollegen von der GSF, Alfred Harnischfeger, der Meinung, dass künftig die Kinder schon wohnortnah an ihre Schulen gehen sollten. Im Moment würde die EDS auch noch Kinder annehmen, derzeit liegen rund 90 Anmeldungen vor. Das würde weiterhin eine Vierzügigkeit bedeuten.

(Frank Weiner)