Die EDS will zu G9 zurĂĽck

logo_presse_hk vom 20.02.2014

Schulkonferenz der Eichendorffschule stimmt mit deutlicher Mehrheit für die neunjährige Gymnasialzeit

Gegen eine zusätzliche Rückkehr der 5. und 6. Klassen sprechen sich der Rektor und der Vorsitzende der Elternbeirats allerdings deutlich aus.

Morgen hat Stefan Haid einen Termin bei Schuldezernent Wolfgang Kollmeier. Der neue Chef der Eichendorffschule (EDS) wird sich dem Kreisbeigeordneten nicht nur persönlich vorstellen, er bringt auch vermutlich gleich einen offiziellen Brief mit. In dem beantragt die Gesamtschule mit ihren derzeit rund 1300 Schülern, dass sie zum kommenden Schuljahr zur neunjährigen Gymnasialzeit (G 9) zurückkehren kann.

Die Schulkonferenz der EDS hat dies am Dienstagabend mit einer deutlichen Mehrheit von 12:1-Stimmen auf den Weg gebracht. Geben der Main-Taunus-Kreis, das Staatliche Schulamt und das Hessische Kultusministerium grünes Licht, dann werden die Mädchen und Jungen in Münster künftig wieder neun statt acht Jahre für das Abitur büffeln.

„Wie ich die politische Lage einschätze, werden wir im Sommer mit einer G 9-Klasse beginnen“, ist Haid optimistisch, dass dieser Antrag auf Zustimmung stößt. Die EDS ist eine von wenigen Schulen im Kreis, die noch nicht zu G 9 zurückgekehrt ist. In Hessen wird es vermutlich im Sommer von den 107 Gymnasien nur noch 31 reine G 8-Schulen geben, teilte das Kulturministerium unlängst mit. Bei den 116 Kooperativen Gesamtschulen, zu denen die EDS zählt, sei bislang gut die Hälfte zu G 9 zurückgekehrt.

Haid selbst hält es auch wegen einer größeren „Durchlässigkeit“ in der Gesamtschule für den richtig Weg. Als Vereinsmensch begrüßt er zudem, dass die Kinder und Jugendlichen mit G 9 am Nachmittag mehr Zeit für Aktivitäten im Sportclub oder der Feuerwehr haben. Ihm ist bewusst, dass mit G 8 „für Hobbys wenig Zeit bleibt“. Haid betont aber auch, dass die verkürzte Gymnasialzeit etwa bei seiner letzten Station an einer deutschen Gesamtschule in den USA „gut geklappt“ hat. „Es gehen beide Systeme.“ Für die EDS sei G 9 nun „eine richtig gute Entwicklung“.

Noch am Abend der Entscheidung der Schulkonferenz stellte Haid eine Notiz auf die Internetseite der Schule. Schließlich gebe es bei den Eltern der Viertklässler noch eine große „Unsicherheit“. Fast täglich gehen Anrufe an, in denen nach G 9 gefragt werde. Der Schulleiter muss die Eltern bis zum endgültigen Okay der Behörden noch vertrösten, es sehe aber so aus, „dass wir es hinkriegen“. Die Eltern der Grundschüler wird es freuen. Dort haben Umfragen gezeigt, dass die Mehrheit G 9 befürwortet. „Mehr Zeit für die Kinder“ — das sei das Hauptargument gewesen, erinnert sich Metin Özdiyar-Steffen, der Vorsitzende des EDS-Elternbeirats. Allerdings sei die Diskussion an den Grundschulen „sehr emotional geführt“ worden. Mit seinem Team habe er versucht, dies „auf eine sachliche Basis zu bringen“. In Infoabenden wurde das Pro und Kontra von G 8 und G 9 erörtert. „G 9 bedeutet ja nicht, dass die Kinder nachmittags immer frei haben“, macht der Elternbeiratsvorsitzende deutlich. Letztlich stimmte der EDS-Gesamtelternbeirat ab — wobei allerdings viele Vertreter fehlten. Die Mehrheit fiel mit 15:10 nicht ganz so deutlich aus. Was aber kaum verwundert, da das Thema viele Gesamtschul-Eltern nicht mehr unmittelbar betrifft.

Das wäre höchstens der Fall, wenn die derzeitigen 5. und 6. Klassen an der EDS bereits zu G 9 zurückkehren wollen. Doch Özdiyar-Steffen hält das für „nicht realistisch“, und auch Schulleiter Haid würde raten „das nicht zu machen“. Das gilt für ihn außerdem für die Möglichkeit, G 8 und G 9 an der Eichendorffschule zweigleisig anzubieten. „Das überfordert diese Schule“, ist der neue Chef überzeugt. Dies sei vor allem nicht mit dem funktionierenden Konzept der Musikklassen zu vereinen. Die amtierenden G 8-Schüler, kündigt Haid aber bereits an, „werden wir pflegen bis zum Abitur“.

(Frank Weiner)